Warum Eigenübungen zur Physiotherapie gehören
Die Regeln für Physio-Rezepte geben Eigenübungen einen festen Platz. Soweit Ihre Erkrankung es zulässt, soll das Erlernen eines Übungsprogramms für zu Hause im Vordergrund stehen. Ihre Physiotherapeutin zeigt Ihnen deshalb Übungen, die Sie allein weitermachen können.
Vor jedem Rezept soll Ihre Ärztin außerdem prüfen, ob Sie das Ziel auch selbst erreichen können. Gemeint sind ein erlerntes Übungsprogramm, Sport oder eine Änderung im Alltag. Klappt das genauso gut und günstiger, hat es Vorrang vor einem neuen Rezept.
Eigenübungen gehören damit fest zur Physiotherapie auf Rezept. Die Übungen ergänzen die Termine in der Praxis. Zwischen den Terminen üben Sie weiter, was Sie dort gelernt haben.
Wie oft Sie Eigenübungen zuhause machen sollten
Eine feste Zahl für alle Beschwerden gibt es nicht, denn die Regeln schreiben keine Häufigkeit vor. Ihre Physiotherapeutin legt sie nach ihrer Untersuchung fest. Fragen Sie bei jeder neuen Übung nach Wiederholungen, Sätzen und Tagen pro Woche, und lassen Sie es sich aufschreiben.
Zwei Beispiele geben einen Anhalt. In einer Studie von 2002 übten Patienten mit Schulterbeschwerden 5 Mal pro Woche je 15 Minuten. Eine Physiotherapiepraxis aus dem Raum Rosenheim rät zu 3 kurzen, fest eingeplanten Einheiten pro Woche.
In der Studie wurden 40 Patienten in zwei gleich große Gruppen geteilt. Die eine Gruppe bekam 4 Termine Anleitung und übte danach allein. Die andere Gruppe bekam insgesamt 30 Termine Krankengymnastik.
Gemessen wurden Kraft, Schmerz, Alltag und Beweglichkeit auf einer Skala bis 100 Punkte. Nach 12 Wochen stieg der Wert der Übungsgruppe von 59 auf 75 Punkte. Die Gruppe mit Krankengymnastik kam von 60,5 auf 72 Punkte. Die Übungsgruppe war auch zufriedener und gab im Schnitt die Note 1,9 statt 2,8.
Die Studie ist mit 40 Teilnehmenden aber klein und über 20 Jahre alt. Die Forschenden betonen selbst, dass das Üben unter Anleitung einer Physiotherapeutin stattfinden sollte.
Wichtiger als die genaue Zahl ist, dass Sie dranbleiben. Ein kleines Programm, das Sie durchhalten, hilft oft mehr als ein großes, das nach zehn Tagen endet. Hängen Sie die Übungen an eine feste Gewohnheit, etwa an das Zähneputzen.
Wann Schmerz bei Eigenübungen normal ist
Eine Übung darf anstrengend sein. Bei Übungen für mehr Beweglichkeit darf die Bewegung etwas über den Punkt hinausgehen, an dem es wehtut. Nach der Übung sollte der Schmerz aber nicht nachklingen.
Bei frischen Beschwerden geht es zuerst darum, Bewegung wieder zuzulassen. Eine leichte Zunahme der Beschwerden während der Übung kann dann in Ordnung sein. Diese Zunahme sollte aber bald wieder abklingen und Sie im Alltag nicht stärker einschränken.
Bei Beschwerden, die schon lange bestehen, steigern Sie die Belastung langsam über Wochen. Zuerst kommt eine kontrollierte Belastung, später kommen mehr Wiederholungen oder mehr Gewicht dazu.
Werden die Schmerzen beim Üben von Mal zu Mal stärker?
Haben Sie Fieber, Taubheit oder deutlich weniger Kraft?
Lassen Sie das ärztlich abklären, bevor Sie weiter üben. Warten Sie damit nicht bis zum nächsten Physio-Termin.
Machen Sie weniger Wiederholungen oder kleinere Bewegungen. Sprechen Sie den Verlauf beim nächsten Termin an.
Leichte Beschwerden, die bald abklingen, sind oft in Ordnung. Üben Sie wie vereinbart weiter.
Eigenübungen in 5 Schritten sicher ausführen
- 1. Lassen Sie sich jede Übung zeigen und machen Sie sie einmal unter Aufsicht, bevor Sie allein üben.
- 2. Schreiben Sie Wiederholungen, Sätze und Tage pro Woche gleich in der Praxis auf.
- 3. Starten Sie zu Hause langsamer und mit weniger Wiederholungen als gezeigt.
- 4. Achten Sie während der Übung auf Schmerzen und hören Sie auf, wenn sie deutlich zunehmen.
- 5. Prüfen Sie am nächsten Morgen, wie es Ihnen geht, und melden Sie sich, wenn es schlechter ist.
Achten Sie auch auf die Ausführung. Weichen Sie aus oder halten Sie die Luft an, verliert die Übung leicht ihren Zweck. Das ist kein Versagen, sondern ein Zeichen, dass die Übung angepasst werden sollte.
Ein gutes Programm erkennen Sie daran, dass Sie wissen, wozu jede Übung dient. Wiederholungen und Tage pro Woche stehen als Zahl auf dem Blatt. Außerdem wissen Sie, woran Sie Fortschritt erkennen, etwa an längerem Sitzen oder mehr Treppenstufen. Fehlt etwas davon, fragen Sie nach.
Bei diesen Zeichen gehören Beschwerden zur Ärztin
Eigenübungen ersetzen keine Untersuchung. Lassen Sie Ihre Beschwerden ärztlich abklären, wenn eines dieser Zeichen auftritt.
- Nach einem Unfall treten plötzlich starke Schmerzen auf.
- Die Stelle ist deutlich geschwollen oder sichtbar verformt.
- Sie spüren Taubheit oder Kribbeln, oder die Kraft lässt nach.
- Blase oder Darm funktionieren nicht mehr wie gewohnt.
- Sie haben Fieber oder verlieren ohne Grund Gewicht.
- Die Schmerzen werden in Ruhe und nachts deutlich schlimmer.
Auch ohne Notfall lohnt sich eine Rückfrage, wenn Ihre Beschwerden trotz regelmäßiger Übungen über mehrere Wochen gleich bleiben. Beschreiben Sie am Telefon Ort, Art und Dauer der Schmerzen, etwa stechend im Knie beim Treppensteigen seit zwei Tagen. So kann die Praxis schneller einschätzen, was Sie gerade belasten dürfen.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich Eigenübungen aus der Physiotherapie machen?
Eigenübungen aus der Physiotherapie machen Sie so oft, wie Ihre Physiotherapeutin es festlegt. Als Anhalt gelten 3 bis 5 kurze Einheiten pro Woche. In einer Studie übten Patienten mit Schulterbeschwerden 5 Mal pro Woche je 15 Minuten.
Ist es normal, wenn eine Eigenübung wehtut?
Ja, leichte Beschwerden während einer Eigenübung sind oft normal, wenn sie bald wieder abklingen. Nachklingen sollte der Schmerz nach der Übung aber nicht. Werden die Schmerzen von Mal zu Mal stärker oder halten sie bis zum nächsten Tag an, war die Übung zu viel.
Was mache ich, wenn eine Eigenübung stark schmerzt?
Hören Sie mit der Eigenübung auf, wenn der Schmerz deutlich zunimmt. Machen Sie beim nächsten Mal weniger Wiederholungen oder kleinere Bewegungen. Bleibt der Schmerz, sprechen Sie es in der Praxis an.
Soll ich Eigenübungen weitermachen, wenn das Physio-Rezept aufgebraucht ist?
Ja, Eigenübungen nach dem letzten Physio-Termin weiterzumachen ist oft sinnvoll. Eine Pflicht dazu gibt es nicht. Klären Sie vor dem letzten Termin, welche Übungen Sie allein fortführen sollen.
Warum gibt mir die Physiotherapeutin Übungen für zuhause mit?
Die Physiotherapeutin gibt Ihnen Übungen für zuhause mit, weil die Regeln für Physio-Rezepte das vorsehen. Soweit Ihre Erkrankung es zulässt, soll das Erlernen eines Übungsprogramms im Vordergrund stehen. So üben Sie auch zwischen den Terminen weiter.
