Die Entstauungstherapie besteht aus 5 Bausteinen
Die Entstauungstherapie ist die Standardbehandlung beim Lymphödem. Ihr voller Name lautet Komplexe Physikalische Entstauungstherapie. Sie besteht aus fünf Bausteinen, die aufeinander abgestimmt sind.
- Hautpflege und, wenn nötig, die Behandlung von Hautschäden
- Manuelle Lymphdrainage, bei der die Therapeutin mit besonderen Handgriffen den Abfluss der Lymphe anregt
- Kompression mit mehrlagigen Verbänden oder Kompressionsstrümpfen
- Bewegung und Sport, die die Entstauung unterstützen
- Aufklärung und Schulung, damit Sie sich selbst behandeln können
Die Bausteine greifen ineinander. Die Lymphdrainage soll die gestaute Flüssigkeit aus dem Gewebe abtransportieren. Die Kompression soll verhindern, dass sie zurückfließt. Bewegung nutzt die Muskeln als Pumpe, und die Hautpflege soll Infektionen vorbeugen.
Nach der Leitlinie der Fachgesellschaften ist die ganze Behandlung besser als einzelne Bausteine. Lymphdrainage allein reicht nicht, denn ohne Kompression schwillt das Gewebe innerhalb weniger Stunden wieder an. Lymphdrainage und Kompressionsverband verordnet Ihre Ärztin auf einem Rezept für Lymphdrainage.
Phase 1 der Entstauungstherapie dauert bis 35 Tage
Phase 1 soll die überschüssige Flüssigkeit aus dem Gewebe holen. Dafür bekommen Sie alle Bausteine möglichst jeden Tag, ein- bis zweimal. Die Behandlung findet in einer spezialisierten Praxis statt oder stationär in einer Klinik.
Wie lange Phase 1 dauert, hängt vom Stadium ab. Im Stadium I sind es meist bis zu 21 Tage, im Stadium II meist bis zu 28 Tage und im Stadium III bis zu 35 Tage. Im Stadium II bekommen Sie die Lymphdrainage zweimal am Tag.
| Stadium | So zeigt sich das Lymphödem | Dauer von Phase 1 | Ort der Behandlung |
|---|---|---|---|
| Stadium I | weiche Schwellung, die sich eindrücken lässt und im Liegen zurückgeht | meist bis zu 21 Tage | Praxis oder Klinik |
| Stadium II | Gewebe vermehrt, Schwellung geht im Liegen immer weniger zurück | meist bis zu 28 Tage, Lymphdrainage 2-mal täglich | Praxis oder Klinik |
| Stadium III | starke Vermehrung von verändertem Bindegewebe, oft mit Lymphzysten | bis zu 35 Tage | in der Regel nur in der Klinik |
Haut pflegen
Die Haut wird gereinigt und gepflegt. Kleine Wunden werden sofort behandelt, damit keine Infektion entsteht.
Lymphdrainage
Die Therapeutin regt mit besonderen Handgriffen den Abfluss der Lymphe an, im Stadium II zweimal am Tag.
Kompressionsverband
Direkt nach der Lymphdrainage legt sie einen mehrlagigen Verband an. Er soll verhindern, dass die Flüssigkeit zurückfließt.
Bewegung mit Verband
Mit angelegtem Verband bewegen Sie sich gezielt. Die arbeitenden Muskeln unterstützen dabei den Abfluss der Lymphe.
Phase 2 der Entstauungstherapie soll das Ergebnis halten
Phase 2 beginnt, wenn Phase 1 ihr Ziel erreicht hat. Statt der Verbände tragen Sie dann Kompressionsstrümpfe, die nach Maß und flach gestrickt sind. In manchen Fällen kommt nachts ein Verband dazu, den Sie selbst anlegen.
Lymphdrainage bekommen Sie weiter, aber nicht mehr täglich. Wie oft, richtet sich nach Ihrem aktuellen Befund. Im Stadium II und III dauert Phase 2 oft viele Jahre. Verschlechtert sich die Schwellung, etwa durch eine andere Erkrankung, kann eine neue Phase 1 nötig werden.
Die Hautpflege wird in Phase 2 eher aufwendiger. Sie soll einer Wundrose vorbeugen. Kommt eine Wundrose immer wieder, kann Ihre Ärztin vorbeugend Antibiotika geben.
Wann kommt eine Entstauung in der Fachklinik infrage?
Im Stadium III gelingt Phase 1 in der Regel nur stationär. Auch wenn die Behandlung in der Praxis nicht ausreicht, kann eine Reha in einer Fachklinik infrage kommen.
Über Art, Dauer und Ort der Reha entscheidet Ihre Krankenkasse, und sie berücksichtigt dabei Ihre Wünsche. Sie wählt eine Klinik, die einen Vertrag mit den Kassen hat. Wählen Sie eine andere zertifizierte Klinik, zahlen Sie die Hälfte der Mehrkosten selbst.
Erwachsene zahlen für jeden Tag in der Klinik eine Zuzahlung. Schließt die Reha direkt an einen Krankenhausaufenthalt an, zahlen Sie sie höchstens für 28 Tage im Jahr. Als direkt gilt eine Reha, die innerhalb von 14 Tagen nach dem Krankenhaus beginnt.
Hat Ihr Lymphödem Stadium III erreicht?
Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin über eine stationäre Reha. Phase 1 gelingt in diesem Stadium in der Regel nur in der Klinik.
Bessert sich die Schwellung trotz Behandlung in der Praxis nicht?
Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, ob eine intensivere Behandlung oder eine Reha sinnvoll ist.
Dann bleibt es bei der Behandlung in der Praxis, mit Phase 1 und danach Phase 2.
Eine Lymphödem-Operation kommt frühestens nach 6 Monaten
Eine Operation ist beim Lymphödem nicht der erste Schritt. Die Leitlinie sieht vor, dass Erwachsene sie erst nach mindestens 6 Monaten Entstauung angeboten bekommen. Gemeint sind beide Phasen, in der Praxis oder in der Klinik.
Der Grund liegt im Verlauf. Manche Schwellungen bilden sich in diesen 6 Monaten noch zurück. Bei anderen zeigt sich erst dann, dass die Behandlung ohne Operation nicht reicht.
- Machen Sie mindestens 6 Monate Entstauung in Phase 1 und Phase 2.
- Lassen Sie den Umfang regelmäßig messen, damit die Wirkung sichtbar wird.
- Reicht das Ergebnis nicht, holen Sie eine Einschätzung in einem Zentrum für Lymphchirurgie ein.
- Fragen Sie vorher, welche Behandlung nach der Operation noch nötig bleibt.
Die Leitlinie beschreibt mehrere Verfahren. Dazu gehört, eigene Lymphgefäße zu verpflanzen oder Lymphgefäße mit Venen zu verbinden. Ziel ist, den Abfluss der Lymphe dauerhaft zu verbessern.
Ein Lymphödem belastet oft auch die Seele
Ein Lymphödem verändert den Alltag dauerhaft. In einer Untersuchung mit 310 Patienten in einer Reha für Lymphödeme war bei der Aufnahme nur knapp ein Drittel seelisch unbelastet. Ein weiteres Drittel war erhöht belastet, und das letzte Drittel so stark, dass es Behandlung brauchte.
Frauen nach Krebs mit Lymphödem waren in Untersuchungen ängstlicher und niedergeschlagener als Frauen nach Krebs ohne Lymphödem.
In einer Studie bekamen seelisch belastete Patienten während der Reha psychologische Begleitung. Ihre Stimmung und ihre körperlichen Beschwerden besserten sich nachweisbar, und die Besserung hielt bis zu 7 Monate an.
Häufige Fragen
Wie lange dauert Phase 1 der Entstauungstherapie?
Phase 1 der Entstauungstherapie dauert meist bis zu 21 Tage im Stadium I und bis zu 28 Tage im Stadium II. Im Stadium III kann sie bis zu 35 Tage dauern. In diesem Stadium gelingt Phase 1 in der Regel nur in einer Klinik.
Muss ich für die Entstauungstherapie ins Krankenhaus?
Nein, die Entstauungstherapie findet nicht grundsätzlich in einer Klinik statt. Phase 1 ist auch in einer spezialisierten Praxis möglich. Nur im Stadium III gelingt sie in der Regel nur stationär.
Wie oft bekomme ich in Phase 2 der Entstauungstherapie Lymphdrainage?
In Phase 2 der Entstauungstherapie bekommen Sie Lymphdrainage so oft, wie Ihr aktueller Befund es verlangt. Eine feste Zahl gibt es nicht. Im Stadium II und III ist diese Behandlung oft über Jahre nötig.
Wann kommt beim Lymphödem eine Operation infrage?
Eine Operation beim Lymphödem kommt frühestens nach 6 Monaten Entstauung infrage, mit Phase 1 und Phase 2. Erwogen wird sie, wenn die Behandlung ohne Operation trotz konsequenter Anwendung nicht reicht. Die Leitlinie nennt dafür starken Leidensdruck oder eine Zunahme der Gewebeveränderungen.
Was passiert, wenn sich das Lymphödem nach Phase 2 wieder verschlechtert?
Verschlechtert sich das Lymphödem, kann eine neue Phase 1 der Entstauungstherapie nötig werden. Das kommt etwa nach einer anderen Erkrankung vor. Danach geht es mit Phase 2 weiter.
Hilft psychologische Begleitung bei einem Lymphödem?
Ja, in einer Studie erzielten seelisch belastete Patienten mit Lymphödem mit psychologischer Begleitung in der Reha nachweisbar bessere Ergebnisse. Die Besserung hielt bis zu 7 Monate an. Sprechen Sie Ihre Belastung deshalb offen an.
