Wassereinlagerungen haben viele mögliche Ursachen
Eine Schwellung durch Wasser im Gewebe nennen Ärzte Ödem. Sie kann bei vielen Erkrankungen auftreten. Die Fachgesellschaften der Ärzte fassen ihr Wissen dazu in einer Leitlinie zum Lymphödem zusammen. Sie nennt Ursachen am Herzen, an den Nieren, an der Leber und im Hormonhaushalt. Auch Medikamente, Entzündungen und ein Mangel an Eiweiß im Blut können Wasser im Gewebe einlagern.
Ein Lymphödem ist etwas anderes. Hier sind die Lymphgefäße oder Lymphknoten selbst geschädigt oder fehlgebildet, sodass die Flüssigkeit im Gewebe nicht richtig abfließt. Für diese Ursache ist Lymphdrainage gedacht. Es gibt auch Mischformen, bei denen zu einer anderen Ursache ein Lymphödem hinzukommt.
Ein Beispiel ist die chronische Venenschwäche in den Beinen. In fortgeschrittenen Stadien kann sie ein Lymphödem auslösen. Diese Mischform heißt Phlebo-Lymphödem, und für sie gibt es Lymphdrainage auf Rezept.
| Mögliche Ursache | Was zuerst geschieht |
|---|---|
| Lymphödem | Entstauung mit Lymphdrainage, Kompression, Bewegung und Hautpflege |
| Venenschwäche, teils mit Lymphödem | Untersuchung der Venen, bei einem Lymphödem auch Lymphdrainage |
| frische Thrombose im Bein | Untersuchung der Venen, Lymphdrainage erst danach |
| Herzschwäche | Untersuchung und Behandlung des Herzens vor jeder Entstauung |
| Erkrankung von Nieren oder Leber | Abklärung und Behandlung dieser Erkrankung |
| Medikamente | Ihre Ärztin prüft, welche Mittel Sie einnehmen |
Ein Lymphödem erkennt die Ärztin in 3 Schritten
Die Untersuchung auf ein Lymphödem hat drei Schritte in fester Reihenfolge. Zuerst fragt Ihre Ärztin, dann sieht sie sich die Schwellung an, und zuletzt tastet sie.
1. Fragen
Ihre Ärztin fragt nach Operationen, nach Erkrankungen von Herz, Nieren und Leber, nach Thrombosen, Venenleiden und Entzündungen wie einer Wundrose. Sie fragt auch, ob Lymphödeme in der Familie vorkommen, welche Medikamente Sie nehmen und wie sich die Schwellung entwickelt hat.
2. Ansehen
Ihre Ärztin sieht sich die Schwellung im Stehen und im Liegen an, dafür machen Sie sich frei. Sie achtet auf Unterschiede im Umfang und auf die Haut.
3. Tasten
Sie prüft, wie weich oder hart das Gewebe ist und ob ein Fingerdruck eine Delle hinterlässt. Am zweiten oder dritten Zeh oder Finger versucht sie, eine Hautfalte abzuheben.
Lässt sich die Hautfalte am Zeh oder Finger nicht mehr abheben, ist das Gewebe verhärtet. Das ist ein Hinweis auf ein Lymphödem. Ärzte nennen diese Probe Stemmer-Zeichen. Lässt sich die Falte abheben, schließt das ein Lymphödem aber nicht aus.
In den meisten Fällen reichen diese drei Schritte für die Diagnose. Bleiben Zweifel, schickt Ihre Ärztin Sie zu weiteren Untersuchungen. Das gilt auch, wenn Sie zusätzlich eine Erkrankung am Herzen haben, weil diese zuerst genau abgeklärt werden muss.
Wann Lymphdrainage bei Wassereinlagerungen nicht stattfinden darf
Bei fünf Erkrankungen ist jede Entstauung mit Lymphdrainage ausgeschlossen. Dann beginnt die Behandlung nicht, egal wie stark die Schwellung ist.
- eine Herzschwäche, die nicht ausreichend behandelt ist
- eine frische tiefe Thrombose im Bein
- großflächig offene, nässende Hauterkrankungen
- eine akute, schwere Wundrose
- eine fortgeschrittene Durchblutungsstörung der Beinarterien im Stadium III oder IV
Bei einer Herzschwäche, die nicht ausreichend behandelt ist, kommt zuerst das Herz an die Reihe. Die Lymphdrainage bringt Flüssigkeit aus den Beinen in Bewegung, und diese Flüssigkeit kann das Herz zusätzlich belasten.
Bei einer Wundrose bekommen Sie ein Antibiotikum. Bis es wirkt, findet am betroffenen Bein keine Entstauung statt.
In anderen Fällen wägt Ihre Ärztin Nutzen und Risiko ab. Dazu gehören Hautinfektionen, Hautkrankheiten mit Blasen, eine leichtere Durchblutungsstörung der Beinarterien und ein Lymphödem durch einen Tumor.
Übergewicht kann ein Lymphödem auslösen und verstärken
Starkes Übergewicht kann ein Lymphödem auslösen und ein bestehendes verstärken. Vermutlich behindert das viele Fettgewebe den Abfluss der Lymphe. Kommt zu starkem Übergewicht ein Lymphödem hinzu, gilt das Übergewicht als Grunderkrankung und das Lymphödem als Folge.
Die Fachgesellschaften empfehlen dann eine Behandlung zum Abnehmen, zusätzlich zur Entstauung. Lymphdrainage allein reicht beim Lymphödem nach der Leitlinie ohnehin nicht. Ohne Kompression nimmt die Schwellung schon nach wenigen Stunden wieder zu.
Wer zahlt Lymphdrainage für geschwollene Beine?
Hat Ihre Ärztin ein Lymphödem festgestellt, zahlt die Krankenkasse die Lymphdrainage mit Rezept. Auf dem Rezept steht dann das Kürzel LY, das für Störungen des Lymphabflusses steht. Ihr Anteil ist derselbe wie bei jeder Lymphdrainage auf Rezept, egal ob Arm oder Bein betroffen ist.
Wie lange ein Termin dauert, hängt vom Stadium ab und davon, ob ein oder zwei Körperteile behandelt werden. Ein Bein zählt dabei als ein Körperteil, genau wie ein Arm. Sind beide Beine betroffen, sind das zwei Körperteile. Im Stadium II oder III dauert der Termin dann 45 oder 60 Minuten.
Bei einem Lymphödem im Stadium II oder III darf ein Rezept bis zu 12 Wochen abdecken, ohne Antrag. Sonst stehen höchstens 6 Termine auf einem Rezept. Die Standardbehandlung eines Lymphödems ist die Entstauungstherapie in zwei Phasen, zu der auch Kompression und Hautpflege gehören.
- Lassen Sie die Ursache der Schwellung vollständig untersuchen.
- Fragen Sie, welche Diagnose und welches Stadium auf das Rezept kommen.
- Bei einer Venenschwäche mit Lymphödem lassen Sie zusätzlich die Venen untersuchen.
- Fragen Sie, ob Sie einen Kompressionsverband in der Praxis oder Kompressionsstrümpfe bekommen.
- Heben Sie Rezept und Befund auf, falls Sie ein Folgerezept oder einen Antrag brauchen.
Häufige Fragen
Woran erkennt die Ärztin, ob Wassereinlagerungen ein Lymphödem sind?
Ob Wassereinlagerungen ein Lymphödem sind, erkennt die Ärztin an Ihrer Vorgeschichte, am Aussehen der Schwellung und beim Tasten. Ein Hinweis ist das Stemmer-Zeichen, eine Hautfalte am zweiten oder dritten Zeh, die sich nicht mehr abheben lässt. Lässt sie sich abheben, ist ein Lymphödem trotzdem nicht ausgeschlossen.
Darf ich bei Herzschwäche Lymphdrainage bekommen?
Nein, bei einer Herzschwäche, die nicht ausreichend behandelt ist, darf keine Lymphdrainage stattfinden. Die Behandlung bringt Flüssigkeit in Bewegung, und diese Flüssigkeit kann das Herz zusätzlich belasten. Zuerst wird das Herz behandelt.
Wie häufig ist ein erworbenes Lymphödem?
Die Leitlinie der Fachgesellschaften schätzt die Häufigkeit erworbener Lymphödeme in Industriestaaten auf 0,13 bis 2 Prozent. Erworben heißt, dass etwa eine Operation, eine Bestrahlung oder eine Verletzung die Lymphgefäße geschädigt hat. Geschwollene Beine können daneben viele andere Ursachen haben.
Kann Übergewicht ein Lymphödem auslösen?
Ja, starkes Übergewicht kann ein Lymphödem auslösen und ein bestehendes verstärken. Das Übergewicht gilt dann als Grunderkrankung und das Lymphödem als Folge. Die Fachgesellschaften empfehlen in diesem Fall zusätzlich eine Behandlung zum Abnehmen.
Darf Lymphdrainage bei einer Wundrose stattfinden?
Nein, bei einer akuten, schweren Wundrose findet keine Lymphdrainage statt. Die Wundrose wird mit einem Antibiotikum behandelt. Erst wenn das Antibiotikum wirkt, kann die Entstauung weitergehen.
Zahlt die Krankenkasse Lymphdrainage bei geschwollenen Beinen?
Ja, wenn Ihre Ärztin ein Lymphödem feststellt, zahlt die Krankenkasse die Lymphdrainage mit Rezept. Sie zahlen einen Anteil je Termin und je Rezept zu. Hat die Schwellung eine andere Ursache, behandelt Ihre Ärztin zuerst diese Ursache.
