Nach einer OP gibt es Lymphdrainage nicht automatisch
Nach einer Operation oder einem Unfall können Arm oder Bein anschwellen. Ob Sie dafür Lymphdrainage bekommen, entscheidet Ihre Ärztin.
Die Fachgesellschaften der Ärzte empfehlen Lymphdrainage als regelmäßigen Zusatz bei Schwellungen nach Operationen und Verletzungen. So steht es in ihrer Leitlinie zum Lymphödem. Die Schwellung soll so schneller zurückgehen und die Heilung besser verlaufen. Flüssigkeitsansammlungen an der Operationsstelle und wulstige Narben sollen seltener werden, und die Behandlung kann Schmerzen lindern.
Auf Rezept gibt es Lymphdrainage nur mit dem Kürzel LY. Es ist das Kürzel für Störungen des Lymphabflusses und schließt Lymphödeme nach Operationen und nach Verletzungen ausdrücklich ein. Krankengymnastik für Ihr Knie oder Ihre Schulter läuft über ein eigenes Rezept.
Wann nach OP oder Unfall ein Lymphödem entsteht
Ein Lymphödem entsteht, wenn Lymphgefäße oder Lymphknoten so geschädigt sind, dass die Flüssigkeit im Gewebe nicht mehr richtig abfließt. Die Leitlinie nennt als Ursachen unter anderem Operationen, bei denen Lymphknoten entfernt werden. Auch eine Bestrahlung und Verletzungen mit Narben können ein Lymphödem auslösen.
Lymphknoten werden nicht nur in der Achsel bei Brustkrebs entfernt, sondern auch im Becken, in der Leiste und am Hals. Nach einer Entfernung von Lymphknoten in der Leiste tritt ein Lymphödem häufiger auf als nach einer Entfernung in der Achsel.
Ohne Behandlung wird ein Lymphödem nach der Leitlinie mit der Zeit stärker. Sprechen Sie deshalb eine Schwellung an, die nicht zurückgeht. Die Standardbehandlung eines Lymphödems ist die Entstauungstherapie in zwei Phasen.
Wie lange reicht das Rezept nach einer OP?
Ein Rezept für Lymphdrainage umfasst in der Regel höchstens 6 Termine. Für alle Rezepte wegen derselben Beschwerden gelten 30 Termine als übliche Gesamtzahl. Danach darf Ihre Ärztin weitere Rezepte ausstellen, ohne dass die Kasse zustimmen muss.
Den ersten Termin müssen Sie innerhalb von 28 Tagen nach dem Ausstellungsdatum haben. Sonst verfällt das Rezept.
Hat Ihr Lymphödem Stadium II oder III erreicht, darf ein Rezept bis zu 12 Wochen abdecken. Im Stadium II hat sich das Gewebe verändert, und Hochlegen bringt die Schwellung nicht mehr zurück. Die 12 Wochen gelten für Lymphödeme an Armen und Beinen aus jeder Ursache und für Lymphödeme nach Eingriffen in Achsel oder Leiste. Im Stadium I bleibt es bei höchstens 6 Terminen je Rezept, außer nach einer Krebsoperation oder Bestrahlung.
| Diagnose auf dem Rezept | Antrag nötig? | Umfang eines Rezepts |
|---|---|---|
| Lymphödem an Arm oder Bein, Stadium I | Nein | höchstens 6 Termine, üblich insgesamt 30 |
| Lymphödem an Arm oder Bein, Stadium II oder III | Nein | bis zu 12 Wochen |
| Lymphödem nach Eingriff in der Leiste, Stadium II oder III | Nein | bis zu 12 Wochen |
| Lymphödem nach Eingriff in der Achsel, Stadium II oder III | Nein | bis zu 12 Wochen |
| Krebs nach Operation oder Bestrahlung | Nein | bis zu 12 Wochen |
Steht Ihre Diagnose nicht auf der Liste, ist Ihre Erkrankung aber ähnlich schwer und dauerhaft, stellen Sie selbst einen Antrag bei Ihrer Krankenkasse. Die Kasse muss innerhalb von 4 Wochen entscheiden. Entscheidet sie nicht rechtzeitig, gilt der Antrag als genehmigt.
Was Sie je Termin zuzahlen, ist bei jeder Lymphdrainage auf Rezept gleich.
Wann Lymphdrainage nach einer OP nicht beginnen darf
Die Leitlinie nennt fünf Gründe, die gegen jede Entstauung mit Lymphdrainage sprechen.
- eine frische tiefe Thrombose im Bein, solange die Venen nicht untersucht sind
- eine akute, schwere Wundrose, solange das Antibiotikum noch nicht wirkt
- eine Herzschwäche, die nicht ausreichend behandelt ist
- großflächig offene, nässende Hautschäden
- eine fortgeschrittene Durchblutungsstörung der Beinarterien im Stadium III oder IV, am betroffenen Bein
Von einer frischen Thrombose kann sich ein Blutgerinnsel lösen und in die Lunge wandern. Deshalb beginnt Lymphdrainage erst, wenn eine Fachärztin die Venen untersucht hat. Ein Kompressionsverband ist dagegen auch bei einer Thrombose angebracht.
Bei einer leichteren Durchblutungsstörung der Beinarterien wägt Ihre Ärztin Nutzen und Risiko ab. Das gilt auch bei Hautinfektionen und bei einem Lymphödem durch einen Tumor.
Ist eine Thrombose im Bein festgestellt oder noch nicht ausgeschlossen?
Lassen Sie zuerst die Venen fachärztlich untersuchen. Erst danach darf die Lymphdrainage beginnen.
Haben Sie Rötung, Wärme oder Fieber im Bereich der Wunde?
Lassen Sie das sofort ärztlich ansehen. Bei einer Wundrose beginnt die Lymphdrainage erst, wenn das Antibiotikum wirkt.
Aus diesen beiden Gründen spricht nichts dagegen. Ob Sie Lymphdrainage brauchen, entscheidet Ihre Ärztin.
Was tun bei anhaltender Schwellung nach der OP?
Eine feste Dauer für Lymphdrainage nach einer Operation gibt es nicht. Ihre Ärztin richtet sich danach, wie sich die Schwellung entwickelt. Mit diesen Schritten helfen Sie ihr bei der Entscheidung.
- Lagern Sie das Bein oder den Arm hoch und kühlen Sie, wie die Klinik es Ihnen gesagt hat.
- Notieren Sie, seit wann die Schwellung besteht und ob sie zunimmt, gleich bleibt oder abnimmt.
- Sprechen Sie Ihre Ärztin an, wenn die Schwellung länger bleibt als erwartet oder das Gewebe härter wird.
- Fragen Sie, ob ein Rezept für Lymphdrainage mit dem Kürzel LY für Sie infrage kommt.
- Fragen Sie nach einem leichten Kompressionsverband, wenn die Schwellung zwischen den Terminen zurückkommt.
Häufige Fragen
Bekomme ich nach einer Knie-Operation automatisch Lymphdrainage?
Nein, nach einer Knie-Operation gibt es Lymphdrainage nicht automatisch. Ihre Ärztin entscheidet, ob Sie sie wegen einer Schwellung brauchen. Die Leitlinie der Fachgesellschaften empfiehlt Lymphdrainage als Zusatz bei Schwellungen nach Operationen.
Bekomme ich nach einem Bänderriss ohne Operation Lymphdrainage?
Ja, auch nach einem Bänderriss ohne Operation kann Ihre Ärztin Lymphdrainage verordnen. Die Leitlinie empfiehlt sie bei Schwellungen nach Verletzungen genauso wie nach Operationen. Ob Sie sie bekommen, hängt von Ihrem Befund ab.
Wann darf Lymphdrainage nach einer Operation nicht beginnen?
Lymphdrainage darf nach einer Operation nicht beginnen, solange eine frische Thrombose im Bein nicht abgeklärt ist. Bei einer akuten, schweren Wundrose wartet die Praxis, bis das Antibiotikum wirkt. Weitere Gründe sind eine nicht ausreichend behandelte Herzschwäche, großflächig nässende Haut und eine fortgeschrittene Durchblutungsstörung der Beinarterien.
Wie lange reicht ein Rezept für Lymphdrainage nach einer Operation?
Ein Rezept für Lymphdrainage nach einer Operation umfasst in der Regel höchstens 6 Termine. Hat Ihr Lymphödem Stadium II oder III erreicht, darf ein Rezept bis zu 12 Wochen abdecken. Einen Antrag brauchen Sie dafür nicht.
Führt eine Lymphknoten-Entfernung in der Leiste häufiger zu einem Lymphödem als in der Achsel?
Ja, nach einer Entfernung von Lymphknoten in der Leiste entsteht häufiger ein Lymphödem als nach einer Entfernung in der Achsel. Das beschreibt die Leitlinie der Fachgesellschaften zum Lymphödem. Achten Sie nach Eingriffen in der Leiste deshalb auf Schwellungen am Bein.
