Bei CMD verordnet die Zahnärztin die Physiotherapie
CMD steht für craniomandibuläre Dysfunktion. Gemeint ist, dass Kiefergelenke, Kaumuskeln und die Zähne beim Zubeißen nicht richtig zusammenspielen.
Für Zahnärztinnen gibt es ein eigenes Regelwerk dafür, welche Physiotherapie sie verordnen dürfen. Es gilt seit dem 1. Juli 2017, in der heutigen Fassung seit dem 22. Januar 2022. Danach verordnen Zahnärztinnen Physiotherapie, wenn die Ursache der Beschwerden im Mund, im Kiefer oder im Gesicht liegt.
Die Behandlung darf auch Muskeln und Lymphbahnen am Hals einbeziehen, die eng mit dem Kiefer zusammenarbeiten. Liegt die Ursache aber an der Halswirbelsäule oder ganz woanders, stellt Ihre Hausärztin oder Orthopädin das Rezept aus.
Eine Kieferorthopädin zählt dabei wie jede Zahnärztin. Mit Kieferbeschwerden gehen Sie also zuerst in die Zahnarztpraxis, mit Nacken- oder Rückenbeschwerden zur Hausärztin. Dieselbe Physiotherapiepraxis nimmt Rezepte von beiden an, und es gelten die üblichen Regeln für Physiotherapie auf Rezept.
Welche Beschwerden gehören zu CMD?
Typische Auslöser sind Zähneknirschen und Zähnepressen, Stress, Fehlstellungen von Zähnen oder Kiefer, eine ungünstige Haltung der Halswirbelsäule, ein beginnender Verschleiß des Kiefergelenks oder ein Unfall. Diese Beschwerden können zu CMD gehören:
- Die Kaumuskeln schmerzen, in Ruhe oder beim Kauen.
- Das Kiefergelenk knackt oder reibt.
- Der Mund lässt sich nicht mehr richtig öffnen.
- Gesicht und Kopf tun weh, oder Nacken und Schultern sind verspannt.
- Das Schlucken fällt schwer.
Diese Beschwerden allein sind noch keine Diagnose. Erst Ihre Zahnärztin stellt bei einer Untersuchung von Kiefergelenk, Kaumuskeln und Zähnen fest, ob CMD dahintersteckt.
Ein Knacken im Kiefergelenk ohne Schmerzen braucht oft keine Behandlung, wenn es Sie nicht stört. Das schreiben zahnärztliche Fachgesellschaften gemeinsam mit dem Deutschen Verband für Physiotherapie.
Wie viele Behandlungen gibt es bei CMD auf Rezept?
Ihre Zahnärztin ordnet Ihre Beschwerden einem von zwei Kürzeln zu. CD1 steht für Kieferbeschwerden, die voraussichtlich kurz bis mittellang behandelt werden müssen, etwa nach Gelenk- oder Muskelproblemen, einem Unfall oder einer Kieferoperation. CD2 gilt, wenn die Behandlung voraussichtlich lange dauert, etwa nach Tumor-Operationen, schweren Unfällen oder bei angeborenen Fehlbildungen wie einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte.
Bei CD1 stehen bis zu 6 Behandlungen auf einem Rezept, üblich sind insgesamt bis zu 18. Bei CD2 sind es bis zu 10 je Rezept und üblich bis zu 30 insgesamt. In beiden Fällen empfiehlt das Regelwerk 1 bis 3 Termine pro Woche.
| Kürzel auf dem Rezept | Höchstens je Rezept | Üblich insgesamt | Welche Behandlung |
|---|---|---|---|
| CD1, kurzer bis mittlerer Bedarf | 6 Behandlungen | 18 Behandlungen | Krankengymnastik, Manuelle Therapie |
| CD2, langer Bedarf | 10 Behandlungen | 30 Behandlungen | Krankengymnastik, Manuelle Therapie |
Kälte und Wärme kommen in beiden Gruppen nur zusätzlich dazu, eine Strombehandlung darf Ihre Zahnärztin auch allein verordnen. Ziel ist laut Regelwerk, dass Sie ein Übungsprogramm für zu Hause lernen. Für Manuelle Therapie braucht die Praxis auch bei CMD eine eigene Erlaubnis der Kassen, weil die Therapeutin dafür eine Weiterbildung braucht.
Was passiert vor dem ersten Physio-Termin bei CMD?
Bevor Ihre Zahnärztin zum ersten Mal Physiotherapie verordnet, muss sie Sie untersuchen. Sie hält die Befunde fest und kann Befunde anderer Ärzte dazunehmen, etwa von einer Orthopädin oder einem HNO-Arzt.
1. Untersuchung in der Zahnarztpraxis
Die Zahnärztin stellt fest, was Ihnen fehlt, und ordnet die Beschwerden CD1 oder CD2 zu.
2. Das erste Rezept
Die erste Behandlung muss innerhalb von 28 Tagen beginnen, bei dringendem Bedarf innerhalb von 14 Tagen.
3. Behandlungen in der Physiotherapiepraxis
Sie bekommen Krankengymnastik oder Manuelle Therapie, meist 1 bis 3 Mal pro Woche, und lernen Übungen für zu Hause.
4. Prüfung vor dem nächsten Rezept
Vor jedem weiteren Rezept prüft die Zahnärztin, ob sie Sie erneut untersuchen muss.
5. Weitere Untersuchungen, wenn es nicht besser wird
Erreichen die Behandlungen ihr Ziel nicht, veranlasst die Zahnärztin weitere Untersuchungen und entscheidet, ob es weitergeht.
Wer verordnet bei Kiefer- und Nackenbeschwerden?
Kieferbeschwerden und Nackenschmerzen kommen oft zusammen, weil Kaumuskeln und Nackenmuskeln eng zusammenarbeiten. Wer die Physiotherapie verordnet, hängt trotzdem davon ab, wo die Ursache liegt.
Liegt die Ursache am Kiefergelenk, an den Kaumuskeln oder an den Zähnen?
Ihre Zahnärztin oder Kieferorthopädin stellt fest, ob CMD vorliegt, und verordnet die Physiotherapie.
Liegt die Ursache an der Halswirbelsäule oder ganz woanders?
Ihre Hausärztin oder Orthopädin verordnet die Physiotherapie, meist mit dem Kürzel WS für die Wirbelsäule.
Lassen Sie den Kiefer zuerst in der Zahnarztpraxis untersuchen. Findet sich dort keine Ursache, schickt die Praxis Sie zur passenden Fachärztin.
Was können Sie selbst gegen CMD-Beschwerden tun?
Zahnärztliche Fachgesellschaften empfehlen eine Kombination aus Manueller Therapie und Übungen, die Sie selbst machen. Physiotherapie kann laut ihrer Mitteilung die Funktion des Kiefers verbessern und Schmerzen verringern. Viele Auslöser wie das Zähnepressen treten über den ganzen Tag auf, deshalb zählen Ihre eigenen Übungen zwischen den Terminen.
- Achten Sie im Alltag darauf, wann Sie die Zähne zusammenbeißen oder pressen. Wer das bemerkt, kann es leichter lassen.
- Machen Sie die Übungen für Kieferbewegung und Entspannung, die Ihnen die Physiotherapeutin zeigt, auch an Tagen ohne Termin.
- Nutzen Sie Wärme oder Kälte nur so, wie Ihre Therapeutin es empfiehlt.
- Sprechen Sie Stress und schlechten Schlaf an. Beides kann Verspannungen und Schmerzen verstärken.
- Fragen Sie Ihre Zahnärztin, ob eine Aufbissschiene für Sie infrage kommt.
Häufige Fragen
Kann meine Hausärztin Physiotherapie bei CMD verordnen?
In der Regel nein, denn Physiotherapie wegen CMD verordnet die Zahnärztin oder Kieferorthopädin. Nur das zahnärztliche Regelwerk kennt die Kürzel CD1 und CD2 für Kieferbeschwerden. Ihre Hausärztin stellt ein Rezept aus, wenn die Ursache Ihrer Beschwerden zum Beispiel an der Halswirbelsäule liegt.
Was bedeutet die Abkürzung CMD?
CMD steht für craniomandibuläre Dysfunktion, eine Störung im Zusammenspiel von Kiefergelenk, Kaumuskeln und Zähnen beim Zubeißen. Typisch sind Schmerzen beim Kauen, ein knackendes Kiefergelenk, ein eingeschränktes Öffnen des Mundes und Schmerzen in Kopf oder Nacken.
Wie viele Behandlungen Physiotherapie gibt es bei CMD?
Bei CMD stehen meist bis zu 6 Behandlungen Physiotherapie auf einem Rezept, üblich sind insgesamt bis zu 18. In langwierigen Fällen, etwa nach einer Tumor-Operation oder bei angeborenen Fehlbildungen, sind es bis zu 10 je Rezept und üblich bis zu 30 insgesamt.
Muss ich vor der Physiotherapie bei CMD zur Zahnärztin?
Ja, vor dem ersten Rezept für Physiotherapie bei CMD muss Ihre Zahnärztin Sie untersuchen. Sie stellt dabei fest, was Ihnen fehlt und welches Kürzel auf das Rezept kommt. Erst danach stellt sie das Rezept aus, mit dem Sie einen Termin in der Physiotherapiepraxis machen.
Zahlt die Krankenkasse Physiotherapie bei CMD komplett?
Nein, auch bei CMD zahlen Sie die übliche Zuzahlung von 10 Prozent der Kosten und 10 Euro je Rezept. Ab dem 1. Januar 2027 steigt der feste Betrag auf 15 Euro. Es spielt keine Rolle, ob eine Ärztin oder eine Zahnärztin das Rezept ausgestellt hat.
Braucht ein knackendes Kiefergelenk immer eine Behandlung?
Nein, ein knackendes Kiefergelenk ohne Schmerzen braucht oft keine Behandlung, wenn es Sie nicht stört. Das schreiben zahnärztliche Fachgesellschaften gemeinsam mit dem Verband für Physiotherapie. Kommen Schmerzen oder ein eingeschränktes Öffnen des Mundes dazu, lassen Sie das in der Zahnarztpraxis untersuchen.
