Wie lange dauern die drei Phasen einer Frozen Shoulder?
Frozen Shoulder heißt auf Deutsch Schultersteife. Die Schulter schmerzt stark und lässt sich kaum bewegen, weder selbst noch mit Hilfe. Auf dem Röntgenbild ist nichts Auffälliges zu sehen, und eine andere Ursache findet Ihre Ärztin nicht.
Ist die Steife die Folge einer bekannten Krankheit wie Diabetes, einer Verletzung oder einer Operation, sprechen Ärzte von einer sekundären Schultersteife. Die Form ohne bekannte Ursache betrifft 2 bis 5 von 100 Menschen, meist zwischen 40 und 60 Jahren. Frauen erkranken häufiger als Männer, etwa im Verhältnis 3 zu 2.
Viele Fachleute beschreiben drei Phasen. Die schmerzhafte Phase dauert 2 bis 10 Monate, die steife Phase 3 bis 12 Monate und die Auftauphase 5 bis 24 Monate. Bei manchen Menschen verläuft es anders, vor allem wenn eine andere Krankheit dahintersteckt.
| Phase | Dauer | Was im Vordergrund steht | Worauf die Physiotherapie achtet |
|---|---|---|---|
| Schmerzhafte Phase | 2 bis 10 Monate | der Schmerz nimmt zu, erst bei Bewegung, dann auch in Ruhe, und die Schulter wird steifer | Übungen, kein kräftiges Dehnen der Gelenkkapsel |
| Steife Phase | 3 bis 12 Monate | die Steife, der Schmerz lässt nach | Übungen und Manuelle Therapie, kräftiges Dehnen erst ab der zweiten Hälfte der Erkrankung |
| Auftauphase | 5 bis 24 Monate | die Schulter wird beweglicher, der Schmerz geht weiter zurück | Manuelle Therapie und Dehnen der Gelenkkapsel |
Welche Übungen empfiehlt die Leitlinie bei Frozen Shoulder?
Die Leitlinie der Fachgesellschaften empfiehlt Übungsprogramme, allein oder in der Gruppe, vor allem in den ersten beiden Phasen. Sie sollen Beweglichkeit, Funktion und Schmerz verbessern. Mehrere Studien sprechen dafür, dass solche Übungen kurzfristig Schmerzen lindern und die Schulter wieder besser nutzbar machen.
In den Studien kamen unterschiedliche Übungen vor:
- Sie kräftigen die Muskeln, einzeln oder in der Gruppe.
- Sie spannen Muskeln gezielt an und dehnen sie danach, eine Technik namens PNF.
- Sie üben Bewegungen, die Sie aus dem Alltag kennen.
- Sie kombinieren solche Übungen mit weiteren Behandlungen der Physiotherapie.
Was sagt die Leitlinie zu Manueller Therapie bei Frozen Shoulder?
Die Leitlinie empfiehlt Manuelle Therapie bei Frozen Shoulder. Sie soll die Schulter beweglicher machen, vor allem beim Drehen des Arms nach außen, und Schmerzen verringern. Ihre Wirkung ist laut Leitlinie mit einer Kortisonspritze ins Gelenk vergleichbar, und keine der beiden Behandlungen bringt eine Gefahr für die Betroffenen.
Welche Technik die Therapeutin genau nutzt, ist laut Leitlinie zweitrangig. Am ehesten gestützt ist ein Dehnen des Schultergelenks, verbunden mit kleinen, gezielten Verschiebungen des Gelenks in bestimmte Richtungen.
Die Studien dazu haben Schwächen, weil sie oft nicht berichten, wie es den Behandelten später ging und ob Nebenwirkungen auftraten. Zusätzlich lässt sich Manuelle Therapie mit Training verbinden. Für Manuelle Therapie auf Rezept braucht die Praxis eine eigene Erlaubnis der Kassen.
Mit Diabetes ist eine Frozen Shoulder häufiger
Diabetes ist die häufigste Begleiterkrankung bei einer Schultersteife. Von Menschen mit Diabetes erkranken 4,3 bis 22,4 Prozent an einer Schultersteife, ohne Diabetes sind es 0,5 bis 2,3 Prozent. Auch Störungen der Schilddrüse kommen gehäuft vor, dort liegt der Anteil bei bis zu 10,3 Prozent.
Für Kortisonspritzen bei Menschen mit Diabetes gibt es zu wenige gute Studien, deshalb spricht die Leitlinie dafür keine Empfehlung aus. Manuelle Therapie und eigene Übungen scheinen dagegen auch bei Diabetes deutlich zu helfen. Die Leitlinie empfiehlt sie, wegen Schwächen der Studien aber nur eingeschränkt.
Mit Diabetes ist die Aussicht auf Besserung schlechter, auch nach einer Operation. Ausgeschlossen ist eine Operation deshalb nicht, denn auch bei Diabetes kann das Lösen der Gelenkkapsel die Beweglichkeit langfristig verbessern.
Wie viele Behandlungen gibt es bei Frozen Shoulder auf Rezept?
Frozen Shoulder gehört auf dem Rezept zum Kürzel EX, das für Erkrankungen an Armen, Beinen und Becken steht. Auf einem Rezept stehen bis zu 6 Behandlungen, üblich sind insgesamt bis zu 18, und empfohlen sind 1 bis 3 Termine pro Woche. Verordnet werden zum Beispiel Krankengymnastik, auch an Geräten, Manuelle Therapie oder Übungsbehandlung.
Seit dem 1. November 2024 gibt es für Schulterbeschwerden eine zweite Art Rezept, auf das Ihre Ärztin nur die Diagnose schreibt. Welche Behandlung Sie bekommen, wie oft und wie viele Termine, entscheidet dann die Physiotherapiepraxis, für bis zu 16 Wochen ab dem Ausstellungsdatum. Frozen Shoulder gehört zu den Schulterdiagnosen, für die das möglich ist.
Auch für dieses Rezept gelten die üblichen Fristen eines Physio-Rezepts, die erste Behandlung muss also innerhalb von 28 Tagen beginnen. Eine Pause von mehr als 14 Tagen ist dabei erlaubt und braucht keine Begründung. Die 16 Wochen verlängern sich dadurch aber nicht.
Braucht eine Frozen Shoulder eine Operation?
Die Leitlinie sieht die Schultersteife ohne bekannte Ursache meist als Erkrankung an, die von selbst zurückgeht. Das kann aber Jahre dauern, und 20 bis 30 von 100 Betroffenen behalten leichte Beschwerden, etwa eine etwas schmerzhafte oder eingeschränkte Schulter.
Zu einer Operation rät die Leitlinie, wenn Behandlung oder Abwarten keine Besserung gebracht haben, mit der Sie zufrieden sind. Dabei löst die Chirurgin die Gelenkkapsel bei einer Gelenkspiegelung.
Wird Ihre Schulter mit Übungen und Manueller Therapie langsam beweglicher?
Setzen Sie die Physiotherapie fort und passen Sie sie der Phase an. Die Auftauphase kann bis zu 24 Monate dauern, ein langsamer Verlauf ist nicht ungewöhnlich.
Haben Sie Diabetes, oder ist die Schulter stark und dauerhaft steif?
Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin weitere Wege, etwa eine Aufdehnung des Gelenks mit Flüssigkeit oder eine Operation. Kortisonspritzen sind bei Diabetes wenig untersucht.
Fragen Sie Ihre Ärztin, ob eine Kortisonspritze oder mehr Physiotherapie infrage kommt.
Kommt eine Frozen Shoulder an derselben Schulter zurück, ist das sehr selten. Die Leitlinie kennt dafür nur Einzelfälle, ein Bericht nennt 2 von 100. Lassen Sie neue Beschwerden an derselben Schulter deshalb ärztlich abklären, statt sie gleich für eine neue Frozen Shoulder zu halten.
Was können Sie bei Frozen Shoulder selbst tun?
Wie viel Sie selbst machen, hängt von der Phase ab. Ihre Therapeutin sagt Ihnen, was zu Ihrem Verlauf passt.
- Vermeiden Sie in der schmerzhaften Phase ruckartige Bewegungen und kräftiges Dehnen, bewegen Sie den Arm aber weiter.
- Gehen Sie zu den Terminen, sobald Sie ein Rezept haben, statt zu warten, bis der Schmerz von selbst nachlässt.
- Machen Sie die gezeigten Übungen regelmäßig, auch wenn es langsam vorangeht.
- Sagen Sie Ihrer Therapeutin, wenn eine Übung deutlich mehr Schmerzen macht als vorher, statt sie einfach wegzulassen.
- Erzählen Sie von einem Diabetes oder auffälligen Blutzuckerwerten, weil das die Behandlung beeinflusst.
Häufige Fragen
Was unterscheidet eine Frozen Shoulder von normalen Schulterschmerzen?
Eine Frozen Shoulder bringt starke Schmerzen und eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit der Schulter, selbst und mit Hilfe. Das Röntgenbild ist dabei unauffällig, und eine andere Ursache gibt es nicht. Typisch ist außerdem ein Verlauf in drei Phasen über viele Monate.
Wie lange dauert eine Frozen Shoulder?
Eine Frozen Shoulder dauert meist viele Monate und manchmal Jahre. Die schmerzhafte Phase dauert 2 bis 10 Monate, die steife 3 bis 12 Monate und die Auftauphase 5 bis 24 Monate. Wie lange es bei Ihnen dauert, hängt vom Einzelfall ab, zum Beispiel von einem Diabetes.
Welche Physiotherapie empfiehlt die Leitlinie bei Frozen Shoulder?
Die Leitlinie empfiehlt bei Frozen Shoulder Übungsprogramme, vor allem in den ersten beiden Phasen, und Manuelle Therapie. Kräftiges Dehnen der Gelenkkapsel passt erst in die zweite Hälfte der Erkrankung. Manuelle Therapie wirkt laut Leitlinie vergleichbar mit einer Kortisonspritze ins Gelenk.
Wie viele Behandlungen Physiotherapie gibt es bei Frozen Shoulder?
Bei Frozen Shoulder stehen bis zu 6 Behandlungen Physiotherapie auf einem Rezept, üblich sind insgesamt bis zu 18. Seit November 2024 kann Ihre Ärztin auch ein Rezept nur mit der Diagnose ausstellen. Dann entscheidet die Physiotherapiepraxis für bis zu 16 Wochen, wie oft und wie lange behandelt wird.
Erhöht Diabetes das Risiko für eine Frozen Shoulder?
Ja, mit Diabetes ist eine Frozen Shoulder deutlich häufiger. Von Menschen mit Diabetes erkranken 4,3 bis 22,4 Prozent, ohne Diabetes 0,5 bis 2,3 Prozent. Mit Diabetes ist auch die Aussicht auf Besserung schlechter, und die zweite Schulter erkrankt eher mit.
Bekomme ich eine Frozen Shoulder auch an der anderen Schulter?
Ja, bei 20 bis 40 von 100 Betroffenen erkrankt auch die andere Schulter an einer Frozen Shoulder, meist 2 bis 3 Jahre später. Diabetes und ein Alter unter 50 Jahren erhöhen das Risiko. An derselben Schulter kommt eine Frozen Shoulder dagegen sehr selten zurück.
