Ein Schiefhals beim Baby ist eine eigene Diagnose
Beim angeborenen Schiefhals ist der Kopfnicker auf einer Seite verkürzt. Der Kopfnicker ist der schräge Muskel, der seitlich am Hals von hinter dem Ohr bis zum Brustbein zieht. Ihr Baby neigt den Kopf deshalb zur betroffenen Seite, und das Kinn zeigt zur anderen.
In den ersten Lebenswochen ist im Muskel manchmal ein kleiner Knoten zu tasten. Als Ursachen gelten eine enge Lage im Mutterleib oder ein Bluterguss im Muskel. Dass Ihr Baby den Kopf schlechter dreht, liegt dann am Muskel und nicht an einer Gewohnheit.
Auf dem Rezept steht beim Schiefhals das Kürzel WS. Es steht für Beschwerden der Wirbelsäule, und der muskuläre Schiefhals ist dort ausdrücklich genannt. Der passende Diagnose-Code für den angeborenen Schiefhals lautet Q68.0.
Woran Sie einen Schiefhals beim Baby erkennen
Manche Eltern bemerken die schiefe Kopfhaltung schon in den ersten Lebenswochen. Bei der U2 und der U3 achtet die Ärztin gezielt auf eine schiefe Haltung. Bei der U3 prüft sie zusätzlich, ob das Liegen den Kopf schon schief geformt hat.
5 Zeichen für einen Schiefhals
- Ihr Baby neigt den Kopf ständig zu einer Seite, und das Kinn zeigt zur anderen Seite.
- In den ersten Wochen ist im Halsmuskel manchmal ein kleiner Knoten zu tasten.
- Den Kopf zur einen Seite zu drehen oder zur anderen zu neigen, fällt Ihrem Baby schwer.
- Von oben betrachtet ist der Hinterkopf auf der Lieblingsseite abgeflacht.
- Mit der Zeit kann auch das Gesicht etwas schief wirken.
Keines dieser Zeichen beweist allein einen Schiefhals. Die Ärztin vergleicht bei der Untersuchung das Drehen und Neigen nach beiden Seiten. So unterscheidet sie einen Schiefhals von einer reinen Vorzugshaltung.
Eine Vorzugshaltung kann den Hinterkopf abflachen
Von einer Vorzugshaltung spricht die Ärztin, wenn Ihr Baby den Kopf meist zur selben Seite dreht, ihn aber frei bewegen kann. In den ersten Lebensmonaten ist der Schädel noch weich. Liegt Ihr Baby immer auf derselben Seite, kann der Hinterkopf dort flach werden. Dann kann auf dieser Seite auch die Stirn etwas vorstehen und das Ohr weiter vorn sitzen.
Schiefhals und flacher Hinterkopf hängen eng zusammen. Rund 20 Prozent der Babys mit einseitig flachem Hinterkopf haben auch einen Schiefhals, unter allen Kindern sind es nur 0,1 bis 2 Prozent. Deshalb prüft die Ärztin bei einer schiefen Kopfform immer auch, wie beweglich der Hals ist.
| Merkmal | Schiefhals | Reine Vorzugshaltung |
|---|---|---|
| Beweglichkeit des Halses | zu einer Seite eingeschränkt | zu beiden Seiten gleich |
| Tastbefund in den ersten Wochen | manchmal ein kleiner Knoten im Muskel | unauffällig |
| Physiotherapie auf Rezept | ja, mit dem Kürzel WS | möglich, wenn die Ärztin sie für nötig hält |
| Übliche erste Maßnahme | Physiotherapie | Beratung zum Lagern und Beobachten |
Was in der Physiotherapie beim Schiefhals passiert
Die erste Behandlung beginnt mit einer Untersuchung. Die Therapeutin misst, wie weit Ihr Baby den Kopf nach beiden Seiten drehen und neigen kann. Sie prüft Muskelspannung und Kopfform und legt danach fest, welche Griffe und welche Lagerungen sinnvoll sind.
Einen festen Übungsplan für alle Babys gibt es nicht, weil Alter und Ausprägung sehr verschieden sind. Einen Teil üben Sie zuhause weiter, und zwar genau so, wie die Therapeutin es Ihnen für Ihr Baby gezeigt hat. Wie ein Physio-Rezept für Babys und Kinder abläuft und was es kostet, ist für alle Kinder gleich geregelt.
Ist der Halsmuskel beteiligt, können Dehnübungen und Physiotherapie die Beweglichkeit verbessern. Das schreiben die Fachgesellschaften der Kinderneurologen und Sozialpädiater. Sie zitieren eine Studie, in der Physiotherapie das Risiko für einen stark abgeflachten Hinterkopf senkte. Nach 6 Monaten lag es um 46 Prozent niedriger, nach 12 Monaten um 57 Prozent.
Ist der Hals frei beweglich, raten die Fachleute bei einer leichten Abflachung zuerst zu einer anderen Lagerung. Wechseln Sie die Liegerichtung Ihres Babys im Bett regelmäßig. Legen Sie es außerdem im Wachzustand und unter Aufsicht auf den Bauch. Nach einer Fachveröffentlichung, die die Fachgesellschaften zitieren, senken schon 30 Minuten Bauchlage im Wachzustand das Risiko für einen flachen Hinterkopf.
5 Schritte, die Sie selbst gehen können
- Sprechen Sie eine einseitige Kopfhaltung bei der U3 oder U4 an, auch wenn die Ärztin sie nicht selbst erwähnt.
- Bitten Sie darum, die Beweglichkeit des Halses nach beiden Seiten zu prüfen.
- Fragen Sie, welches Kürzel auf dem Rezept steht. Beim Schiefhals ist es WS.
- Wechseln Sie die Liegerichtung im Bett regelmäßig und legen Sie Ihr Baby im Wachzustand unter Aufsicht auf den Bauch.
- Beginnen Sie mit der verordneten Physiotherapie bald, weil der Kopf in den ersten Monaten am schnellsten wächst.
Braucht die Kopfhaltung Ihres Babys eine Abklärung?
Entscheidend ist, ob Ihr Baby den Kopf frei bewegen kann oder ob eine Seite eingeschränkt ist.
Dreht Ihr Baby den Kopf seit Wochen immer zur selben Seite?
Lässt sich der Kopf zur anderen Seite nur schwer drehen oder neigen?
Das spricht für einen Schiefhals. Vereinbaren Sie bald einen Termin bei der Kinderärztin.
Das kann eine reine Vorzugshaltung sein. Sprechen Sie sie bei der nächsten Vorsorge an und wechseln Sie die Liegerichtung.
Ihr Baby bewegt den Kopf zu beiden Seiten. Ein Hinweis bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung reicht in der Regel.
Früh anfangen, weil der Kopf schnell wächst
Der Kopf wächst im ersten Lebensjahr am schnellsten, vor allem in den ersten 6 Monaten. Gezieltes Lagern kann in den ersten 4 Lebensmonaten gute Erfolge zeigen, schreiben die Fachgesellschaften. Danach bewegt sich Ihr Baby immer mehr selbst, und Lagern bringt weniger.
Für eine deutliche Verformung, die mit einem Kopfhelm behandelt wird, nennen die Fachgesellschaften eigene Zeiten. Die Erfolge sind am größten, wenn die Behandlung zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat beginnt, spätestens bis zum 12. Lebensmonat.
Ein Rezept umfasst bis zu 6 Behandlungen, empfohlen sind 1 bis 3 pro Woche. Üblich sind insgesamt bis zu 18 Behandlungen. Reicht das nicht, stellt die Ärztin ein weiteres Rezept aus, und die Krankenkasse muss nichts genehmigen.
Bei den nächsten Vorsorgeuntersuchungen schaut die Kinderärztin, ob der Hals beweglicher wird. Bessert er sich nicht wie erwartet, zieht sie weitere Fachleute hinzu.
Häufige Fragen
Ist das KISS-Syndrom eine Diagnose für ein Physio-Rezept beim Baby?
Nein, das KISS-Syndrom ist keine anerkannte Diagnose und hat keinen eigenen Diagnose-Code. Für ein Physio-Rezept braucht Ihr Baby eine echte Diagnose. Beim angeborenen Schiefhals ist das der Code Q68.0.
Wie unterscheidet die Kinderärztin einen Schiefhals von einer Vorzugshaltung?
Die Kinderärztin unterscheidet Schiefhals und Vorzugshaltung an der Beweglichkeit des Halses. Kann Ihr Baby den Kopf zu beiden Seiten gleich weit drehen und neigen, ist es meist eine reine Vorzugshaltung. Ist eine Seite eingeschränkt, spricht das für einen Schiefhals.
Wie viele Physiotherapie-Behandlungen bekommt ein Baby mit Schiefhals?
Ein Baby mit Schiefhals bekommt bis zu 6 Behandlungen auf einem Rezept, empfohlen sind 1 bis 3 pro Woche. Üblich sind insgesamt bis zu 18 Behandlungen. Reicht das nicht, stellt die Ärztin ein weiteres Rezept aus.
Wann braucht ein Baby mit flachem Hinterkopf einen Kopfhelm?
Einen Kopfhelm empfehlen die Fachgesellschaften nicht allgemein, weil sein Nutzen über das Aussehen hinaus fraglich ist. Eine leichte Abflachung lässt sich nach ihrer Einschätzung mit Lagern und, wenn nötig, Physiotherapie gut behandeln. Eine deutliche Verformung lässt sich mit dem Helm schneller behandeln. Die Krankenkasse zahlt ihn nur in Einzelfällen.
Was können Eltern zuhause gegen eine Vorzugshaltung beim Baby tun?
Bei einer Vorzugshaltung können Eltern die Liegerichtung ihres Babys im Bett regelmäßig wechseln. Außerdem sollten sie das Baby im Wachzustand und unter Aufsicht auf den Bauch legen. Nach einer Fachveröffentlichung, die die Fachgesellschaften zitieren, senken schon 30 Minuten Bauchlage im Wachzustand das Risiko für einen flachen Hinterkopf. Ist der Hals zu einer Seite eingeschränkt, gehört das Baby zusätzlich zur Kinderärztin.
